Das Gesellschaftshaus Grünau ist ein historisches Ausflugsrestaurant im Berliner Ortsteil Grünau in der Regattastraße 167. Es wurde 1898 eingeweiht und steht seit 1991 leer. Eine Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles blieb bisher aus.

Im Jahr 1898 konnte das Ausflugsrestaurant eröffnet werden. Bis in die 1920er Jahre blieb die Liegenschaft im Besitz der Familie Ohlrich, denn im Jahr 1922 heißt es im Adressbuch: Eigentümer O(h)lrichsche Erben, Betreiber (Pächter und damit Verwalter) Gastwirt Max Schüler.

Unmittelbar am Ufer gab es Stege für Ruder- und Segelboote, mit denen die Besucher kommen konnten. International bekannte Sänger oder Musiker traten auf der Bühne auf, so beispielsweise die russische Orchestervereinigung Nowoje Slowo („Neues Wort“) im Jahr 1935. Es ist gut vorstellbar, dass die Gaststätte während der Olympischen Sommerspiele in Berlin, als die Wassersportwettkämpfe in Grünau stattfanden, einen Boom erlebte. In diversen Reisehandbüchern wurde das Gesellschaftshaus in Grünau
den Berlin-Besuchern empfohlen.

Aus einer Veröffentlichung des Jahres 2013 geht hervor, dass in der NS-Zeit die Organisation „Kraft durch Freude“ Träger der Ausflugslokale Gesellschaftshaus und Riviera gewesen sein soll. Das Bauwerksensemble überdauerte die beiden Weltkriege. Hier fanden jahrelang Familien-, Vereins- und Werkfeiern, Bälle und Musikveranstaltungen statt.

In der DDR-Zeit blieb der Name der Einrichtung erhalten, ihre Bewirtschaftung erfolgte durch die HO. Es war wieder eine gut besuchte Ausflugsgaststätte, auch weil die Fahrgastschiffe der Weißen Flotte hier anlegten. Die Räumlichkeiten wurden darüber hinaus für gesellschaftliche, sportliche oder kulturelle Anlässe benutzt, unter anderem erfolgte an diesem Ort am 27. März 1953 die Namensgebung der Sportvereinigung Dynamo. Im Jahr 1960 feierte der Berliner Schachverband im Gesellschaftshaus Grünau und nahm hier auch die Auszeichnung der „Sportler des Jahres“ vor. Bis zu 500 Personen konnten bewirtet werden. Die Außengestaltung der Gebäude wurde in dieser Zeit durch Verputzen und Abbau der Türmchen stark verändert. Auf der Bühne des Hauses traten Varietés und Einzelkünstler auf, die meist über Grünau hinaus bekannt waren.

Nach 1990: Schließung und Verfall

Nach der Wende und der Auflösung der HO ging die Immobilie in den Besitz des Bundes und damit an die Treuhandanstalt bzw. deren Nachfolgeeinrichtung, den Liegenschaftsfonds. Die Bewirtschaftung wurde aufgegeben, die Häuser geschlossen. Für den Erhalt des seit 1991 leer stehenden Gebäudes ist seitdem der Bezirk (seit 2001: Treptow-Köpenick) verantwortlich. Eine kurzzeitige Belebung des Grundstücks erfolgte, als im August 2000 ein Biergarten eröffnete, der jedoch bereits im Oktober wieder schließen musste. Im Jahr 2006 fand sich nach einer Ausschreibung eine türkische Unternehmerin aus Ankara, die das Bauensemble aus Gesellschaftshaus und Riviera mit den Grundstücken bis auf einen sechs Meter breiten Uferstreifen kaufte. Der Kaufpreis soll 650.000 Euro betragen haben. Sie beabsichtigte, dort ein Kongresshotel zu eröffnen oder Wohngebäude zu errichten. Konkrete Bauanträge liegen dem Bauamt nicht vor, eine zuvor beantragte Abrissgenehmigung wurde wegen des Denkmalschutzes abgelehnt. Mehrfach, zuletzt Ende des Jahres 2013, hat das Bezirksamt die Besitzerin aufgefordert, „Maßnahmen zum Schutz des Gebäudes vor weiterem Verfall“ einzuleiten.

Weil bis Januar 2014 nichts passiert war, wollte der Bezirk Handwerkeraufträge zur Reparatur des kaputten Daches und für den sicheren Verschluss der Türen und Fenster ausschreiben (eine Ersatzvornahme veranlassen). Die entstehenden Kosten von rund 40.000 Euro sollten der Eigentümerin in Rechnung gestellt werden. Im Sommer des gleichen Jahres wurde bekannt, dass die Eigentümerin nach Gerichtsurteilen und mehrstündigen Gesprächen mit dem Bezirksamt notdürftige Maßnahmen eingeleitet hat, um weiteren Verfall und Vandalismus aufzuhalten. Die demolierten Fenster und Türen wurden mit Spanplatten verschlossen (vorgesehen war die Anbringung von Lochplatten, um die Luftzirkulation
zu ermöglichen, die einer Schimmelbildung vorbeugt). Die vereinbarten Fristen für Dachdeckerarbeiten, für eine Sanierung der Regenrinnen und für die sorgfältige Abnahme vorhandenen Stuckzierrats wurden auch dieses Mal nicht eingehalten. Die Bezirksverantwortlichen werden, nachdem das Gericht über die Nichteinhaltung der Vereinbarungen informiert ist, nun doch (wie schon zuvor angekündigt) die Sicherungsarbeiten an Baufirmen vergeben und die Rechnungen dann weiterreichen.

Aus etlichen im Internet kursierenden Amateurvideos geht hervor, dass sowohl das Parkett als auch die Kronleuchter entfernt wurden. Einen Großteil der Innenwände verzierten die illegalen Besucher mit Graffiti. Baufachleute schätzen, dass die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes etwa 15 Millionen Euro kostet, was „für uns nicht zumutbar ist“, wie der in Potsdam lebende Bruder der Besitzerin
mitteilte. Aus den Tatsachen schlussfolgern Bauexperten und Wirtschaftsfachleute, dass die Tatenlosigkeit beabsichtigt ist, um das Zusammenbrechen des Ensembles abzuwarten. Damit hätte sich der Denkmalschutz erledigt.

Architektur

Das Gesellschaftshaus besteht aus zwei parallel zueinander angeordneten Ziegelbauten mit rechteckigem Grundriss, die Elemente des Jugendstils und des Klassizismus zeigen. Sie waren mit Klinkern und simuliertem Fachwerk verblendet. Der Gebäudeteil an der Straße ist dreistöckig und beherbergte im Hochparterrebereich eine Gaststätte. Deren Decke und Wände hatte der Architekt in einem Mischstil aus Neubarock und Jugendstil gestaltet, ebenfalls ein weiteres Zimmer, das Bilderzimmer. Hier befanden sich zwei Gemälde von Max Gärtner – Hochzeitspaar und Musikanten in mittelalterlicher Stadt. Das Wohn- und Gaststättengebäude ist siebenachsig angelegt und mit einem Satteldach abgeschlossen. Dahinter zum Ufer hin befindet sich das Saalgebäude, dessen Herz ein neun Meter hoher Ballsaal ist. Er war mit Kronleuchtern, Rundbogenfenstern, Logen und ebenfalls reichen Stuckarbeiten geschmückt. Im Untergeschoss des Hauses befanden sich die Wirtschaftsräume.

Beide Gebäude ließ der Eigentümer um das Jahr 1900 durch angebaute Veranden zusammenfassen, deren Ecken mit Ziertürmchen betont wurden. Darüber hinaus wurden ein Gartenbereich mit Kastanien gestaltet und drei Kegelbahnen errichtet.

Quelle: Wikipedia
Mehr Infos auf: riviera-retten.de

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